Es ist vollbracht

Vor mir liegen meine ersten, selbstgemachten Silbergelatine-Abzüge. Natürlich sind sie nicht perfekt. Bei den Kontrasten hätte man noch was machen können, und da und dort findet man weiße Flecken von Staub auf dem Bild. Und ich hab einiges an Fotopapier gebraucht bis ich überhaupt mal ein ordentliches Bild hatte. Aber jetzt, wo die Abzüge vor mir liegen, bin ich schon ein wenig stolz.

Die Umstände dazu sind im Wesentlichen ein einziges großes Improvisorium.1 Was aber auch beweist, dass es immer einen Weg gibt. Eine Menge Zeit und Klebeband verbrauchte ich zuerst einmal, um das viele Licht aus dem Badezimmer rauszubekommen. Als nächstes platzierte ich auf der Waschmaschine eine Lampe mit Rotlicht, daneben einen Tisch mit dem Vergrößerer drauf.2 Drei Entwicklungsschalen wurden strategisch in der Badewanne positioniert – für Entwickler, Stoppbad und Fixierer.3 Ein Stromverteiler mit Ein-Aus-Schalter musste herhalten, um die Belichtungszeit am Vergrößerer zu steuern, was mit einer Timer-App am Iphone auch ganz gut funktioniert hat.4 Zum Schluss hab ich noch zwei Schuhbänder zusammengeknüpft und aufgespannt, um die Fotos mit Wäscheklammern zum Trocknen aufzuhängen.

Ich hab dann ungefähr eine halbe Nacht in dem Raum verbracht und schließlich einige ganz brauchbare Ergebnisse bekommen; und ein erstes, kleines bisschen Gefühl für den Prozess an und für sich. Und es ist tatsächlich wie alle sagen: Der Moment, wenn das Bild in der Entwicklerschale vor dir auftaucht – das kann süchtig machen. Oh ja, das macht süchtig.

Überraschend war auch, wie einfach das ganze letztendlich doch ist. Sicher, es gibt viel Raum nach oben zum “perfekten Abzug”. Aber ich Nachhinein versteh ich gar nicht, warum ich so lange meine Negative nur gescannt habe. In jener Nacht im dunklen Badezimmer hat sich für mich der Kreis geschlossen, der vor zwei Jahren mit meinem ersten Rollfilm begonnen hat.


  1. Ist das eigentlich ein Wort? 
  2. Durst M601 Vergrößerer bis 6×6, inkl Kondensor-Linsen, 50mm und 75mm Vergrößerungsobjektiv, um 70 Euro auf Ebay ersteigert. Yeah, baby! 
  3. Da ich Ilford-Filme mag, hab ich mich auch bei der Dunkelkammer-Ausstattung für Ilford entschieden: Ilford Multigrade Entwickler, passend zum Multigrade RC1M Fotopapier in 12×18 glänzend. ILFORD Rapid Fixer hatte ich vom Filme entwickeln sowieso noch im Kasten. 
  4. Aber ich halte trotzdem Ausschau nach einer gebrauchten Zeitschaltuhr. 

Es wird Zeit für Dunkelheit

Es ist die konsequente Fortsetzung meiner analogen Laufbahn, die sich allmählich wie ein Puzzle zusammensetzt. Der Vergrößerer, den ich vor Jahren gebraucht für ein Butterbrot gekauft habe; eine Kiste voll Zubehör habe ich letzte Woche erstanden. Und gestern hab ich die Bestellung für die Chemie aufgegeben. Jetzt wirds ernst mit der Dunkelkammer.

Es fehlt mir nur noch eine Kleinigkeit, und zwar die Kammer. Hier werde ich auf Improvisation setzen. Und auf die Toleranz meines Elternhauses, wenn es um die Benützung des Badezimmers geht. Als Dankeschön, hab ich mir gedacht, bekommen sie den ersten Abzug – handsigniert.

Meiner Tradition als Autodidakt treu bleibend, wühle ich mich jetzt durch Dunkelkammer-Anleitungen und YouTube-Videos. Dabei wird die Vorfreude immer größer und ich kann’s kaum noch erwarten: das erste Rendezvous bei Rotlicht mit meinen Negativen.

Stellt sich nur noch eine Frage, bei der ich gerne den lesenswerten Artikel von Daniel Milnor zitieren möchte:

Which of my images is good? Which ones are REALLY good, and then finally, which ones are good enough to print?
Daniel Milnor – Why I Print

Meine erste Rolle Film

Ich hatte schon als Kind Fotos auf Film gemacht, damals gab es nichts anderes. Aber der erste Film, den ich ‘bewusst als Film’ fotografiert habe, war vor etwa 3 Jahren ein Ilford HP5+ Rollfilm in der alten und kaputten Yashica MAT meines Vaters. Dass sie kaputt war, wusste ich nicht, als ich den Film einlegte. Das merkte ich erst nach der dritten Aufnahme, als die Kurbel für den Filmtransport sich nicht mehr weiter drehen ließ. Pech. Ich schüttelte die Kamera, kurbelte zurück und nach vor, schüttelte nochmal, klopfte mit der Hand dagegen. Tatsächlich ließ sich der Kamera noch eine Aufnahme entlocken, dann wars vorbei. Vier Fotos also: drei von einer verschneiten Tanne und eines von einer verschneiten Hagebutte. Das war die Ausbeute meines ersten Films. Aber ich gab nicht auf.

Meine zweite Rolle Film legte ich wenige Tage später in eine Hasselblad. Ein Geschenk der Götter war sie für mich.1 Ich vernichtete schon beim Einlegen zwei Rollen Film, bis ich merkte, dass etwas mit dem Film-Magazin nicht stimmt. Zu meinem Glück hatte ich zwei Film-Magazine geschenkt bekommen. Beim zweiten nagte allerdings die Zeit an den Dichtungen. Das verriet mir später eine Google-Recherche zu den rätselhaften, weißen Strahlen, die immer auf der Sonnenseite zu sehen waren: Lightleaks. Ich weiß auch noch, dass es mich total durcheinander brachte, mit einem spiegelverkehrten Sucherbild zu arbeiten. Trotzdem schaffte ich es, mein erstes Portrait im Mittelformat zu machen.

Mein erstes analoges Portrait: Anna

Mein erstes analoges Portrait: Anna

Das nächste Abenteuer war die Entwicklung der Filme mit Caffenol. Aber das ist eine andere Geschichte, nur so viel: es hat auf Anhieb funktioniert.

Kannst du dich noch an deine erste Rolle Film erinnern?


  1. In Wahrheit war sie ein Geschenk von Dorit 

Experimente in Doppelbelichtung

Ich hab versucht ein bisschen mit Doppelbelichtungen zu experimentieren. Ich hab 2 Filme vollgeknippst, zurückgespult (aber nicht ganz), an einem anderen Ort nochmal vollgeknippst. Folgendes hab ich daraus gelernt:

  • auch wenn der Film schon abgelaufen war, wars doch irgendwie schade, denn brauchbar waren höchstens zweieinhalb Bilder
  • Zufall ist schön, aber nicht alles
  • wenn man eine klare Bildaussage haben möchte, braucht man ein Konzept

Andere Leute schaffens auch, wobei sich Portraits offensichtlich besonders gut machen. Also, noch einmal. Vielleicht zuerst Siluetten gegen hellen Hintergrund, und dann Texturen drüber. Und mitschreiben, Steven, mitschreiben!

experimente-1

experimente-2